Weshalb den Muna-Wald retten

Um die Auswirkungen des Klimawandels zu erfahren, muss man inzwischen nicht mehr das Schmelzen der Eisflächen in der Arktis oder das Verschwinden der Gletscher in den Alpen beobachten.

Schon in unseren eigenen Gärten im Fränkischen Seenland lässt sich erkennen, wie das Klima sich verändert und die Natur darunter leidet. Viel schneller und stärker, als wir das vor wenigen Jahren noch für möglich gehalten hätte. Die Beobachtungen sind deprimierend, auch wenn es Landwirte und Waldbesitzer natürlich viel existenzieller trifft. Die Ursachen für die Klimakrise machen wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

100 Jahre alte Bäume gehen ein

Scheinbar problemlos übersteht hier ein 100 Jahre alter Birnbaum einen Sommer, aber er schwächelte bedenklich. Mit einem Stammumfang von 1,7 Meter und einer Kronenhöhe von 10 Metern hatte er bislang noch jedem Sturm getrotzt.

Doch 2019 färbten sich die Blätter schon Ende August dunkelrot und fielen wesentlich früher ab als gewohnt. Im Frühjahr dieses Jahres fiel auf, dass unsere Bäume deutlich weniger Laub entwickelten. Lag das an der Trockenheit zwischen Mitte März und Ende April? Oder waren es die Nachwirkungen des heißen Vorsommers? 2019 war eines der wärmsten Jahre in Mittelfranken.

Pflanzen brauchen Wasser – auch Starkregen helfen nicht

Der Grundwasserspiegel im alten Brunnen meines Vaters in Ramsberg ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Leicht zu erkennen ist das an einem Messstab, den mein Vater täglich mit dem Seil hochholt. Während früher das Wasser meist einen halben Meter bis 75cm über dem Boden stand, ist der 4,5 Meter tiefe Brunnen in vergangenen Jahren fast immer bei 5-10 cm oder im Hochsommer komplett trocken gewesen. Selbst die Dachrinnenzusammenschlüsse im Garten von Garage, Schuppen und Hausdach reichen nicht aus, um den Brunnen zu füllen. Das Grundwasser geht unaufhaltsam zurück, als hätte man ein Loch in den Brunnen gebohrt oder irgend etwas saugt das Wasser ab.

„Es müsste 6 Monate lang doppelt so viel regnen wie üblicherweise in einem Jahr, damit wir allein den Rückstand der letzten zweieinhalb Jahre aufholen. Das ist völlig illusorisch“, sagte kürzlich ein Politiker in einer Diskussion. Wow – wie soll das funktionieren?

Selbst eine strenge Enthaltsamkeit ist nicht genug – nicht einmal unsere stärksten Enthaltungen, z.B. auf SUV, auf Fernreisen oder unsinnige Autofahrten, Verbrauch schonende Geräte etc. zu verzichten würden helfen. Der Klimawandel ist langfristig UND es betrifft uns ALLE.

Ohnmächtige Politik und Vertuschungen des Problems

Noch deprimierender als die eigene Ohnmacht ist die Erkenntnis, dass auch von Seiten der Politik keine Lösung des Problems zu erwarten ist. Seit Jahrzehnten wird über eine globale Senkung der Kohlendioxid-Emissionen diskutiert, dennoch steigen die Emissionen und damit die CO2-Konzentration in der Atmosphäre enorm an.

Wie stark die heimischen Wälder schon geschädigt sind erkennt man an den Baumkronen und der Rinde am Baum. Gesunde Bäume sterben einfach ab. Eine Wiederaufforstung scheitert häufig schon daran, dass junge Bäumchen im ersten Jahr vertrocknen.

Würde Technologie helfen?

Ebenso ernüchternd wirkt die Feststellung, dass erst der Aufschwung von Wissenschaft und Technik die Menschheit in die scheinbar ausweglose Lage gebracht haben. Nicht nur Gewinnstreben und Bequemlichkeit, auch der Glaube an den Fortschritt und der Einsatz für bessere Lebensbedingungen sind eine wichtige Triebfeder für die Industrialisierung gewesen. Wir bräuchten künstliche Bewässerungssysteme. Diese sind aber teuer und kämen meist zu spät, denn der Käfer sucht sich auch hier und jetzt schon seine Opfer. Bis eine adäquate Technologie helfen würde, ist der Baum schon lange abgestorben.

Passen Konsum und Klimarettung zusammen?

Die Antwort ist: Nein. Wir können uns 10.000 Szenarien ausdenken, um die menschliche Natur zu ändern. Wir werden es nicht schaffen. Das 2 Grad Ziel (max. Durchschnittstemperaturerhöhung weltweit) ist nicht zu schaffen, denn die Menschheit ist dazu nicht in der Lage. Weder ein paradiesisch anmutendes künstliches Feriendorf noch nachträglich gepflanzte Bäumchen kaschieren nur einen in der Geschichte unserer Erde noch niemals da gewesenen Energieverbrauches!

Wir haben ein enormes Bevölkerungswachstum verbunden mit einem enormen Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs an Energie und Konsumgütern, die ihrerseits durch Herstellung und Produktionsprozesse enorme Mengen an Resourcen verbrauchen.

Seit dem Umweltgipel 1992 in Rio sind die jährlichen CO2-Emissionen um die Hälfte gestiegen, obwohl die „nachhaltige Entwicklung“ plötzlich zum Modewort wurde. Selbst die deutsche Forstwirtschaft, auf die der Begriff Nachhaltigkeit zurückgeht, steht Dürren und Borkenkäfern und sonstigen Schädlingen (Eichenprozess-Spinner, Schwammspinner in unserer Region) inzwischen hilflos gegenüber. Chemische Bekämpfung funktioniert nicht, da man andere wichtige bodennahe Kleintiere und Insekten ebenso ausrotten würde.

Ein Zitat eines Forstdirektors, der Jahrzehnte für das Langlauer Muna-Gelände zuständig war, sagte kürzlich:
„… wer diesen (Muna) Wald dezimiert oder sogar abholzt, versündigt sich derart an der Schöpfung und dürfte 500 Jahre keine Kirche mehr betreten oder ihm müsse öffentlich an einen Pranger, wenn er von Innovation oder Nachhaltigkeit einer Feriensiedlung spricht!

Nur die junge Generation hat die Klimakrise verstanden

Es ist beschämend zu beobachten, dass vor allem Kinder und Jugendliche eine radikalere Klimapolitik einfordern. Von der Politik in die „Schulschwänzerecke“ gestellt ist hier bodenlos und einfach nur plump, um sich nicht dem eigens produzierten Problem zu stellen. Natürlich müssen sie befürchten, viel länger und stärker von den drohenden Klimaveränderungen betroffen zu sein. Doch die ältere Generationen versagt, wenn sie die schon bestehenden Möglichkeiten zum Klimaschutz wie den Bau neuer Stromtrassen, Windräder oder Pumpspeicherkraftwerke aus fadenscheinigen Gründen ablehnt oder blockiert.

Zerstörung des Mikroklimas – die Landschaft wird sich verändern

Wir zerstören mit dem Bau von Großtourisitschen Ferienwohnparks nicht nur unsere Heimat. Wir zerstören auch ihr Gesicht für die nächsten Jahrzehnte. Grundwasserpegel werden schneller und noch rasanter fallen. Noch mehr Bäume und zusammenhängende Ökosysteme werden kollabieren. Unsere Landschaft wird unaufhaltsam zur Wüste, schneller als es uns recht sein kann. Landwirtschaftliche Nutzflächen werden vertrocknen und verkommen, denn der Kampf gegen die Trockenheit wurde quasi schon verloren.

Teufelskreis – Systemischer Fehler

Letztendlich kann das wiederum mit einem enorm hohen Wasserverbrauch etwas zurückgehalten oder gestoppt werden, aber die Ursache wird damit nicht bekämpft. Die Brunnen werden auf Dauer alle austrocknen, denn der Nachfluß fehlt. Dann wird die Erhaltung von Freizeitparks nur noch eine Frage sein, ob man die hohen Kosten zur Erhaltung der Aussenanlagen rechtfertigen kann, mal vom überdachten Spaßbad abgesehen. Die Wasserversorgung wird mit Sicherheit total kollabieren. 1.200.000 Millionen Wasser würden täglich nur zur Körperpflege, Toiletenspülung und sonstigem auf diesem Massen Ferienwohnpark verbraucht. Techniker schätzen den Spassbad Verbrauch um den 2.7 fachen des täglichen Wasserverbrauchs. Damit wären wir bei täglich knapp 4.5 Millionen Liter Wasser. Der Pfofelder Brunnen ist derzeit schon am Anschlag, sprich es wird knapp auch ohne Center Parcs.

Was ist der Wert des Fränkischen Seenlands?

Investoren und potentielle Anleger müssen sich besonders mit der Lage ihres Traumobjekts beschäftigen: „Das schönste Haus nutzt gar nichts, wenn es am falschen Ort steht“, bestätigt Claus-Peter Haller vom Fachmagazin Bellevue und sagt: „Eine Immobilie sollte in einer attraktiven, bekannten und beliebten Ferienregion liegen. Nur so sind gute Vermietbarkeit und gute Mieteinnahmen zu realisieren.“

Das bedeutet aber auch, dass ein Unternehmen sich nun auf Millionen von Investitionen im Fränkisches Seenland stürzt und letztendlich nur ein neuer Parasit ist, um sich an einer Lage labt, an der Staat und Bevölkerung seit 50 Jahren gearbeitet haben.

Politiker leben noch im Gestern

Politiker werden geblendet und gekauft, um ihr Erreichbarkeits-/Erfolgskonto in einer Legislaturperiode zu erhöhen. Fatal, denn sie tun genau das Gegenteil, sie zerstören das System und die Marke „Fränkisches Seenland“ binnen 3-4 Jahren. Von positiver Werbung für das Fränkische Seenland kann nicht die Rede sein, zumal nur noch Center Parcs Marketing im Vordergrund steht, alles andere ist Beiwerk.

Natürlich ist kein demokratisch gewählter Politiker bereit Millionen Arbeitsplätze zu riskieren, damit sich die Erde vielleicht im 22. Jahrhundert etwas schneller abkühlt. Eine Abkühlung der Welt kann auch kein Muna-Wald bringen, aber er schafft ein Mikroklima, welches sich auch nicht mit viel Geld, technisch in so kurzer Zeit erreichen lässt. Politiker, die selbst hier noch über 1-2 Millionen Kurtaxe Einnahmen, einem neuen roten Feuerwehrauto, einem neuen Wertstoffhof oder oder oder sprechen,
sollten dann auch die Verantwortung für ihre Zustimmnung übernehmen.